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Meinung von: Daeng Supriyanto, SH, MH
Globaler Geopolitischer Beobachter
Als der Generalsekretär der Vereinten Nationen erklärte, dass der Konflikt zwischen dem Iran und Israel „außer Kontrolle geraten“ sei, verkündete er nicht nur eine geopolitische Tatsache, sondern legte eine tiefe ontologische Krise offen, die die moderne menschliche Zivilisation durchzieht. Diese Aussage ist nicht bloß eine Beschreibung sich verschlechternder militärischer Bedingungen; sie ist ein philosophisches Eingeständnis, dass die Mechanismen, die wir über Jahrhunderte errichtet haben – internationales Recht, Diplomatie, Dialog und Friedensinstitutionen – ihre Kraft verloren haben, die anschwellende Welle der Gewalt aufzuhalten. Es ist ein Moment, in dem die Vernunft angesichts wiedererwachter urkräfte ohnmächtig erscheint.
I. Der Zusammenbruch der Ordnung: Vom Rechtsstaat zum Recht des Dschungels
In der modernen politischen Philosophie wird die internationale Gemeinschaft idealerweise als eine „Rechtsgemeinschaft“ (Rechtsgemeinschaft) verstanden, in der sich die Macht dem Recht unterordnet und Konflikte durch rationale Verfahren gelöst werden. Die UN-Charta und das Völkerrecht sind Ausdruck des Glaubens, dass die Menschheit fähig ist, primitive Instinkte zu überwinden und eine zivilisierte Existenz zu führen. Die Erklärung jedoch, dass die Situation „außer Kontrolle“ sei, signalisiert, dass diese Ordnung einer totalen Dekonstruktion unterliegt.
Wir erleben die Rückkehr dessen, was Thomas Hobbes als status bellum bezeichnete – einen Kriegszustand, in dem Gewalt das einzige Gesetz und Angst der Herrscher ist. Wenn Raketen Staatsgrenzen überschreiten, ohne Souveränität zu achten, wenn zivile Einrichtungen angegriffen werden und Drohungen der gegenseitigen Zerstörung ausgetauscht werden, ist die Welt zurückgefallen in einen „Dschungel“, geprägt von permanenter Unsicherheit. Dies bedeutet nicht, dass das Recht tot ist, sondern dass es zu einem bloßen Schatten geworden ist, während die Realität von der unerbittlichen Logik der Gewalt beherrscht wird.
II. Die Dialektik von Identität und Feind: Wenn „das Andere“ zum „absoluten Bösen“ wird
Philosophisch lässt sich dieser Konflikt nicht von der Konstruktion extremer Identitäten trennen. Sowohl der Iran als auch Israel formen ihre nationale und ideologische Selbstheit durch eine scharfe Abgrenzung voneinander. Hier herrscht eine verzerrte hegelschen Logik: Identität entsteht durch die Negation des „Anderen“, doch statt zu einer höheren Synthese zu führen, bleibt sie in einer endlosen Antithese gefangen.
Für bestimmte Gruppen in Israel erscheint die Existenz des Iran nicht nur als Sicherheitsbedrohung, sondern als existenzielle Gefahr, verwurzelt in historischen und theologischen Narrativen, die das Land als heiliges Erbe betrachten, das um jeden Preis verteidigt werden muss. Umgekehrt wird Israel für das Regime und weite Teile der Bevölkerung im Iran als illegitime koloniale Entität wahrgenommen, als Symbol der Unterdrückung, dem zu widerstehen eine moralische und religiöse Pflicht ist.
Aus der Sicht der existentialistischen Philosophie schafft diese Situation einen „teuflischen Kreis“, in dem jede Seite sich als Opfer mit Recht auf Vergeltung begreift und den Gegner als Quelle allen Übels. Wenn diese Weltsicht absolut wird, verschließt sich der Raum für Dialog hermetisch. Es gibt keinen Platz mehr für „vielleicht“, keinen Raum für Kompromisse, denn Kompromiss gilt als Verrat an der eigenen Identität und der absoluten Wahrheit.
III. Religion, gefangen in der Politik: Zwischen Offenbarung und Macht
Eine der tragischsten Dimensionen dieses Konflikts ist, wie spirituelle und religiöse Werte – die eigentlich Quellen von Frieden und Mitgefühl sein sollten – instrumentalisiert werden, um Gewalt zu rechtfertigen. Dies ist das Phänomen, das Max Weber als „Politisierung der Religion“ beschrieb: Wo heilige Schriften, Symbole und eschatologische Konzepte zu rhetorischen und ideologischen Waffen verwandelt werden.
Einerseits werden religiöse Narrative genutzt, um militärischen Handlungen sakrale Legitimität zu verleihen und Krieg zu einem „Heiligen Krieg“ oder Kampf gegen Tyrannei zu stilisieren. Andererseits entsteht so eine starre moralische Dichotomie: „Wir sind die Wahrheit, sie sind der Irrtum; wir sind die Geretteten, sie sind die Verdammten“.
Doch die Religionsphilosophie lehrt uns: Wenn der Glaube seine ethische Dimension verliert und sich von der universellen Menschlichkeit lossagt, verwandelt er sich in eine gefährliche Ideologie. Religion, die eigentlich Zorn und Leidenschaft zähmen sollte, wird so zum Brennstoff, der die Flammen der Feindschaft schürt. Darin liegt die größte Ironie: Die Institution, die geschaffen wurde, den Menschen zu menschlichen, wird zum Werkzeug, um Gewalt zu vergöttern.
IV. Das Scheitern des Multilateralismus und die Krise des Vertrauens
Die Aussage der Vereinten Nationen, die Lage sei außer Kontrolle, ist auch ein schmerzhaftes Eingeständnis des Scheiterns des Projekts der Moderne, den Frieden zu wahren. Internationale Institutionen, gedacht als Brücken zwischen den Nationen, erscheinen heute als ohnmächtige Beobachter oder gar als Arenen, in denen die Interessen der Großmächte aufeinanderprallen und jegliches Handeln lähmen.
Dies wirft eine grundlegende philosophische Frage auf: Ist Weltfrieden nur eine schöne Utopie, unerreichbar in einer Wirklichkeit, die von Interessen und Macht beherrscht wird? Ist der Mensch von Natur aus friedlich, oder tragen wir die Saat unserer eigenen Zerstörung in uns?
Wenn diplomatische Mechanismen versagen, Sanktionen wirkungslos bleiben und Aufrufe zum Waffenstillstand nur noch Stimmen in der Wüste sind, stehen wir der harten Realität gegenüber: Das Vertrauen – die Grundlage jeder sozialen und politischen Beziehung – ist in tausend Stücke zerbrochen. Ohne Vertrauen gibt es keinen Dialog; ohne Dialog kein Verständnis; ohne Verständnis bleibt nur Angst und Gewalt.
V. Schlussbetrachtung: Die Begegnung mit dem Absurden
In der Sicht der existentialistischen Philosophie lässt sich der Zustand des „Außer-Kontrolle-Geratens“ auch als Ausdruck der Absurdität der menschlichen Existenz lesen. Wir bauen Zivilisationen, entwickeln Hochtechnologie und erlassen komplexe Gesetze, und doch sind wir fähig, immer wieder in den Abgrund der Barbarei zurückzufallen.
Der unkontrollierbare Konflikt zwischen Iran und Israel ist ein Spiegel, der unsere Zerbrechlichkeit zeigt. Er erinnert uns daran, dass unter der dünnen Decke der Zivilisation noch immer uralte Instinkte lauern, durch die Zerstörung des Anderen zu überleben. Er mahnt uns auch, dass Gerechtigkeit und Frieden keine automatischen Geschenke der Geschichte sind, sondern Realitäten, die wir jeden Tag neu erkämpfen müssen – im vollen Bewusstsein unserer eigenen Schwäche.




